Meine Geschichte – aus Mauis Sicht...
Ich wurde am Fuße der großen Berge geboren.
Dort, wo die Sierra Nevada beginnt, wo Flüsse durch den Dschungel fließen und viele Familien noch sehr einfach leben, als Sohn Indigenen, der Kogis.
Als ich geboren wurde, war mein Mund anders als bei anderen Babys.
Ich hatte Hunger, aber trinken war sehr schwer für mich. Die Milch lief immer wieder aus meinem Mund heraus. Ich wurde nicht richtig satt und war ein kleines, schwaches Baby.
In der Welt, in die ich geboren wurde, müssen Babys stark sein, um zu überleben.
Mein Papa konnte es aber nicht ertragen, dass ich sterben würde.
Also suchte er Hilfe.
So kam ich zu meiner Mama.
Sie sagt, dass sie mich ansah, als ich noch ganz klein war, und sofort wusste, dass ich zu ihr gehöre. Für sie war ich von Anfang an perfekt.
Ich wusste damals nicht, dass mein Gesicht anders war als bei anderen Babys. Ich wusste nur, dass jemand mich festhielt, mich fütterte und mich liebte.
Meine Mama sagt immer, ich war ein kleiner Kämpfer.
Am Anfang war vieles schwer. Essen war schwer. Wachsen war schwer.
Dann kamen die Krankenhäuser und die Operationen. Ich war noch sehr klein. Manchmal hatte ich Angst. Manchmal tat es weh.
Aber meine Mama war immer bei mir.
Nach den Operationen durfte ich viel Kompott und Pudding essen. Das war gut, weil mein Mund noch weh tat.
Langsam wurde alles leichter.
Ich wuchs, wurde stärker und fing irgendwann an zu sprechen.
Zuerst nur ein paar Worte. Meine Mama machte sich große Sorgen, weil ich lange kaum sprach.
Aber plötzlich – kurz nach meinem dritten Geburtstag – kamen ganz viele Worte auf einmal.
Heute spreche ich Spanisch.
Ich lerne ein paar englische Worte mit meinen Schwestern.
Und manchmal singe ich sogar Lieder auf Schweizerdeutsch.
Das bringt alle zum Lachen.
Ich sehe auch meine Bauchmama und meinen Papa. Wir wohnen nicht weit voneinander entfernt, und sie freuen sich immer, mich zu sehen.
Einmal sagte mein Papa einen Satz, den meine Mama nie vergessen hat:
„Jetzt passt Mama mit ihrer Familie auf Maui auf. Und eines Tages, wenn Maui groß ist, wird er auf uns aufpassen.“
Ich glaube, er hat recht.
Denn auch wenn mein Leben schwierig begonnen hat, hatte ich großes Glück.
Ich habe eine Mama gefunden, die mich genau so gesehen hat, wie ich bin.
Und die wusste:
Ich bin perfekt.
Wenn mich heute meine Mama fragt. Maui was bist Du? Sage ich: „un Kogi muuuy fuerte" (ein gaaanz starker Kogi)